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Im August machte sich eines unserer Mitglieder, Karsten Plewnia, mit seiner
Freundin und deren Familie in Richtung Kroatien und Bosnien auf. Dort
wurde aber nicht nur Urlaub gemacht, sondern auch ein kleiner Einblick
in den Kroatischen Karst angestrebt.
Karsten
Plewnia berichtet in dem folgenden Bericht über fünf "Karsterfahrungen"
der kroatischen Art.
1. Plitwitzer
Seen
2. Biokovo-Massiv, Crajina
Höhle
3. Biokovo-Massiv, Ersterforschung
einer neuen Höhle
4. Die beiden Seen in Ilmotski
5. Eine Schauhöhle auf
dem Weg nach Bosnien
6. Resümee
Doch
zuerst eine Einführung:
Nachdem mein Urlaubsziel feststand, erkundigte ich mich zunächst
im Internet, welche Vereine es in Kroatien gibt und wurde recht schnell
in dem Ort fündig, wo ich fast zwei Wochen verbringen sollte: Makarskar.
Unter der Adresse http://jagor.srce.hr/~mgarasic/speleo.html
gibt es ein Verzeichnis der größten Höhlenvereine in Kroatien,
so suchte ich mir als Anlaufstelle den:
SPELEOLOSKO ALPINISTICKI KLUB "EKSTREM" (SAKE) heraus.
Ein gewisser Zeljko Bockovac sollte mein Ansprechpartner werden, ihn mailte
ich von Deutschland aus mehrmals an, bekam aber keine Antwort. Wie sich
später herausstellte, hat Zeljko kein Internet und guckt so gut wie
nie bei einem Nachbarn mal rein....

1. Plitvicer Seen
Nach
ein paar Tagen in Bihac (Bosnien) machten wir uns auf, zwei Tage die Plitvicer
Seen zu erkunden. Wir, das sind meine Freundin, ihr Onkel und ihr Großvater-
also keine Höhlentruppe sondern normale Touristen.

Die
Plitvicer Seen sind ein sehr großer Nationalpark, der touristisch
sehr gut erschlossen ist. Das interessante für Höfos ist die
Tatsache, daß dieser Nationalpark aus einem einzigen großen
Karstkomplex besteht. Überall am Wegesrand sind kleine Löcher,
wo man reinkriechen kann, aber große Höhlen fand ich beim Rundgang
leider nicht vor. Nur ab und zu ergab sich die Möglichkeit, aber
alleine und ohne Richtige Ausrüstung begab man sich nur kurzzeitig
in diese Löcher.

Was
aber viel interessanter war, ist eben die Landschaft, die durch die insgesamt
16 Seen, welche mit Wasserfällen verbunden sind, geprägt sind.
Diese Seen haben sich durch die Erosion des Felsens (Kalk und Dolomit)
gebildet. Das Klima, welches zusammen mit einer starken Aufnahme von Sauerstoff
im Wasser Schaum bildet. Dieser
Schaum, von Algen und Bakterien unterstützt, bildet Kalziumkarbonat,
welches das Wasser übersättigt, und diese Ablagerung führt
zu wachsender Verkrustung. Es bildet sich Travertin-Stein, welcher die
Barrieren zwischen den einzelnen Seen bildet.
Ich denke die Bilder spechen für sich !

2. Biokovo-Massiv, Crajina Höhle
Nachdem
ich endlich nach den gescheiterten E-Mail-Kontakt, persönlich Kontakt
mit Zeljko aufnahm, stand meiner ersten Höhlentour nichts mehr im
Wege. Ich erzählte Zeljko über unseren Verein und davon, daß
ich nicht gerade erfahren bin, was vertikale Schächte angeht. Zeljko
stellte mir nun seinen Verein vor: den oben schon erwähnten SAKE.
Das Biokovo Massiv liegt auf ca. 1.000 Meter Höhe, was nicht viel
ist, aber das Dorf ist eben direkt am Meer also 1.000 Höhenmeter
!!!.
So fragte mich Zeljko, ob ich Lust hätte eine kleine Höhle zu
befahren, welche im Prinzip nur aus zwei großen Sälen besteht.
Ich willigte ein und fragte nach Details, dies gestaltete sich aber als
Problem, weil ich kein Kroatisch kann und Zeljko nur sehr gebrochen deutsch
und englisch spricht. Zeljko sagte, daß wir zu dem Nachbardorf fahren
und von dort aus ca. 45 Minuten zu Fuß zur Höhle gehen werden.
Treffpunkt war morgens um 7.00.
Ich
willigte ein und fragte, ob diese Höhle auch für Anfänger
geeignet sei, welches Zeljko bejahte, denn ich wollte meine Freundin und
ihren Onkel mitnehmen.
Am
nächsten Morgen gab es ein Problem, so daß nur meine Freundin
und ich den Weg antraten. Wir fuhren zum Nachbardorf auf ca. 150 m Höhe.
Dort stellen wir den Wagen ab und los ging es. Aber wie.
Nach ca. 5 Minuten war uns klar, das wir es hier mit einem Messner zu
tun hatten. Dieser war letztes Jahr auf einer Expedition in Alaska, joggt
im Gebirge, macht Paragliding, Klettern usw...
Meine Freundin bekam sehr schnell Probleme weil Zeljko einfach zu schnell
ging. So machte sie nach ca. 1 Stunde schlapp, kurz vor der Höhle.
Wir hatten aber in dieser Zeit schon einen Gewaltmarsch durchs Geröll
hinter uns.
Wir waren auf knapp 800 Meter angelangt und das mit Ausrüstung, am
ersten Tag im Gebirge. Dort beschlossen wir uns zu trennen, meine Freundin
sollte warten, denn der Abstieg alleine, ohne einen Weg, wäre zu
gefährlich geworden.
Nun trennten Zeljko und mich nur noch ca. 150 Höhenmeter und ein
paar Drahtseile zum festhalten.
Nach ca. 20 Minuten erreichten wir den Eingang der Höhle. Wir zogen
kurz den Schlaz über, legten das Seilzeug an und gingen in eine kleine
Kammer. Dort hingen wir eine Drahtseilleiter ein, sicherten uns mit einem
Seil und kletterten so ca. 8 Meter in die Tiefe, wo wir in eine kleine
Vorkammer gelangten.
Nun gingen wir gebückt unter einem Vorsprung her und gelangten in
die besagte Kammer.
Aber diese Kammer war so ziemlich das größte, was ich bisher
in meinem Leben gesehen habe, bzw. sie ist die größte Halle
!!
Zeljko
sagte, ich solle warten, und er verschwand zu der anderen Seite, erst
dann konnte ich die Dimensionen dieser Halle nachvollziehen. Diese Halle
ist 40 Meter Hoch, 60 Meter breit und 120 Meter lang !!!!!!!!!!
Erschlagen von dieser fast "Sauerländischen Dimension"
ging ich tief in mich und brauchte eine ganze Weile um dies zu verarbeiten.
Er zeigte mir noch eine kleinere Nebenkammer, welche ebenfalls riesig
war, wo aber auch Tropfsteine vorhanden waren. Leider hatte ich keine
Kamera dabei aber auch wenn, so viele Blitze gibt es nicht, um die Halle
zu fotografieren. Diese Halle hat auch noch einen kleinen 10 Meter Absatz
in die Tiefe, von wo es nochmals ca. über einen 100 Meter Direktschacht
in die Tiefe geht. Aber 100 Meter direkt, ohne mich !!
So
machten wir uns nach ca. 20 Minuten wieder auf den Rückweg, weil
ja meine Freundin draußen wartete. Auf dem weg nach oben haben wir
noch ein paar Fledermäuse gesehen, die sich aber nicht aufschrecken
ließen.
Nach weiteren 20. Minuten gelangten wir, nachdem Zeljko mir noch zwei
andere Höhleneingänge gezeigt hatte, zu meiner Freundin und
machten uns auf den Abstieg.
Nach ca. 1,5 Stunden gelangten wir zum Auto und setzten Zeljko bei sich
Zuhause ab. Noch voll in Gedanken an diese tolle "Kammer" fuhr
ich mit meiner Freundin zurück zum Appartement.
3. Biokovo-Massiv, Ersterforschung einer neuen Höhle
Nachdem ich mich mit Zeljko an den nächsten Tagen ein paar mal getroffen
hatte und wir uns über Höhlen, Urlaubstrips usw. ausgelassen
hatten, bot mir Zeljko eine neue Befahrung an. Ein
Freund von ihm hatte aus dem Flugzeug auf dem Weg nach Dubrovnik eine
Höhle entdeckt, die wir in zwei Tagen erkunden wollten.
Treffpunkt wie immer um 7.00 Uhr, und dann ging es zu viert (Zeljko ,Yaksir,
Christian und ich) mit dem Allradjeep ins Biokovo Massiv. Ziel war der
höchste Berg dort, der Svetje Juraj 1.762 Meter hoch, und das vom
Meer aus, also 1.700 Höhenmeter!!
Für
den Weg habe ich ein paar Tage vorher 2 Stunden gebraucht, aber mit diesem
Jeep, einem wahnsinnigen Fahrer (Kurve, abbremsen warum ?) brauchten wir
nur 1Stunde.
Oben angekommen, sattelten wir unsere Rucksäcke und los ging es.
Einen typischen Zeljko Spaziergang eben, aber diesmal hatte ich mich an
die Berge gewöhnt, so war der " Weg" kein Problem.
"Weg"- weil es natürlich keinen gab, und wir also frei
nach Schnauze und Kompass diese besagte Höhle suchen. Nach etlichen
Bergkuppen war es soweit, wir gelangten zu einem riesigen Loch.
So befestigten wir ein Seil und runter ging es. Der riesige Trichter zog
sich ca. 40 Meter nach unten, dort war aber Ende. Aber am Anfang war ein
Absatz, an dem eine große Röhre runterging.
Zeljko sicherte sich und ging hinab. Yaksir folgte, und auch Christian
ging ein paar Meter runter. Nach 1 Stunde kehrten sie zurück.
Ich ging ebenfalls ein paar Meter herunter, seilte mich aber nicht ab,
weil es 1. ein 40-Meterschacht war, welcher mir sehr große Probleme
bereitet hätte, und 2. sie das Seil nicht gut sichern konnten und
sie mir das nicht zumuten wollten und 3. das Seil immer wieder Steine
anstieß, welche in den Schacht donnerten.
Zeljko
ging also alleine herunter. Dort machte er bei jedem Absatz einen Knoten
ins Seil, so soll später der Plan entstehen. Als Zeljko wieder oben
war, wurde das Material eingeräumt und die Höhle markiert, d.h.
das Kürzel SAKE an die Wand, eine Nummer und das Datum der Entdeckung
an den Eingang gemalt.
Verschlossen werden können diese Höhlen wegen des alpinen Charakters
natürlich nicht! (Ob sich da ein Sauerländer Schlüssel-Fetischist
wohlfühlen würde...)
Insgesamt hatte diese Höhle also eine Tiefe von ca. 200 Meter, weil
wir ja schon bei minus 40 eingestiegen sind. Das Schwierigste hatten wir
aber noch vor uns, den Rückweg!
Immer
wieder das Ziel (den höchsten Berg) vor Augen, mußten wir doch
immer wieder umdrehen, weil plötzlich ein zu steiler Abhang vor uns
lag. Am Ende ließen auch die Kräfte von Yaksir und Christian
nach, so daß diese für den letzten Aufstieg zum Gipfel fast
40 Minuten brauchten, während Zeljko und ich relativ locker diese
Hürde nahmen.
Oben angelangt, fuhren wir auf 1.000 Meter zurück und machten auf
einer Alm Rast. Danach fuhren wir nach Makarska zurück. Von dort
aus fuhr ich zu meinem Apartment und sprang noch kurz in die warme Adria
zum Abkühlen.
Toller Kontrast: Eben noch im Steinmassiv auf über 1.700 Meter und
jetzt in der Adria, das ist eben der Reiz dieser Karstgegend!
4.
Die beiden Seen in Ilmotski
Drei Tage später beschlossen meine Freundin und ich, zu den berühmten
Ilmotski Seen zu fahren, wobei der Rote See eine steile Karstdoline ist
mit über 200 Meter Tiefe, die als Höhle gilt! (Ilmotski liegt
direkt vor der bosnischen Grenze nördlich vom Biokovo Massiv)
Die Höhle steht offiziell an Nummer 11 der tiefsten Höhlen in
Kroatien. Sie heißt :Crveno jezero Imotska krajina, und ist 528
Meter tief. Man sieht einen riesigen Trichter, und der See unten, der
keinen großen Durchmesser hat (vielleicht 40 Meter), ist über
250 Meter tief!
 
Ich
denke, die Bilder sprechen für sich. Der blaue See nebenan ist ebenfalls
beeindruckend, ein riesengroßer Trichter, aber nicht so tief, und
man kann dort runtergehen und baden, was bei dem roten See nicht möglich
ist, weil die Wände viel zu steil sind.
 
Also
nur ein Phototrip und ab nach Hause, Zeljko erzählte mir, daß
ein deutsches Team diese Höhle mal untersuchen wollte- erfolglos,
auf der Karte sind überall Fragezeichen!

5. Eine Schauhöhle auf dem Weg nach Bosnien
Auf dem Rückweg nach Bosnien, machten wir noch an einer Schauhöhle
halt. Diese ist ca. auf 2.000 Meter zu begehen und danach kann man, wenn
man will, mit Höhlenforschern nochmal dieselbe Strecke zurücklegen.
Wir hatten aber keine Zeit und erkundeten so nur den beleuchteten Teil,
welcher aber sehr beeindruckend war. Dort findet man Säle mit über
30 Meter Höhe, welche mir aber nach den Biokovo Erfahrungen doch
irgendwie klein vorkamen.

6. Resümee
Wer also Alpine Höhlen sehen will direkt am Meer, ist in Makarksa
bestens aufgehoben und sollte Zeljko kontaktieren und einen schönen
Gruß von mir bestellen!
Nur schachterfahren sollte man sein und körperlich so fit, so daß
man eine Bergtour vor der Höhle auch locker wegstecken kann.
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