Reisebericht Kroatien August 2001
von Karsten Plewnia

 
 


Im August machte sich eines unserer Mitglieder, Karsten Plewnia, mit seiner Freundin und deren Familie in Richtung Kroatien und Bosnien auf. Dort wurde aber nicht nur Urlaub gemacht, sondern auch ein kleiner Einblick in den Kroatischen Karst angestrebt.

Karsten Plewnia berichtet in dem folgenden Bericht über fünf "Karsterfahrungen" der kroatischen Art.

1. Plitwitzer Seen
2. Biokovo-Massiv, Crajina Höhle
3. Biokovo-Massiv, Ersterforschung einer neuen Höhle
4. Die beiden Seen in Ilmotski
5. Eine Schauhöhle auf dem Weg nach Bosnien
6. Resümee

Doch zuerst eine Einführung:
Nachdem mein Urlaubsziel feststand, erkundigte ich mich zunächst im Internet, welche Vereine es in Kroatien gibt und wurde recht schnell in dem Ort fündig, wo ich fast zwei Wochen verbringen sollte: Makarskar.
Unter der Adresse http://jagor.srce.hr/~mgarasic/speleo.html gibt es ein Verzeichnis der größten Höhlenvereine in Kroatien, so suchte ich mir als Anlaufstelle den:
SPELEOLOSKO ALPINISTICKI KLUB "EKSTREM" (SAKE) heraus.
Ein gewisser Zeljko Bockovac sollte mein Ansprechpartner werden, ihn mailte ich von Deutschland aus mehrmals an, bekam aber keine Antwort. Wie sich später herausstellte, hat Zeljko kein Internet und guckt so gut wie nie bei einem Nachbarn mal rein....

Markaskar Übersicht
Biokovo Übersicht

 


1. Plitvicer Seen

Nach ein paar Tagen in Bihac (Bosnien) machten wir uns auf, zwei Tage die Plitvicer Seen zu erkunden. Wir, das sind meine Freundin, ihr Onkel und ihr Großvater- also keine Höhlentruppe sondern normale Touristen.

Plitvicer Seen Plitvicer Seen Höhle

Die Plitvicer Seen sind ein sehr großer Nationalpark, der touristisch sehr gut erschlossen ist. Das interessante für Höfos ist die Tatsache, daß dieser Nationalpark aus einem einzigen großen Karstkomplex besteht. Überall am Wegesrand sind kleine Löcher, wo man reinkriechen kann, aber große Höhlen fand ich beim Rundgang leider nicht vor. Nur ab und zu ergab sich die Möglichkeit, aber alleine und ohne Richtige Ausrüstung begab man sich nur kurzzeitig in diese Löcher.

Löcher am Wegesrand Ablagerungen unter Wasser

Was aber viel interessanter war, ist eben die Landschaft, die durch die insgesamt 16 Seen, welche mit Wasserfällen verbunden sind, geprägt sind. Diese Seen haben sich durch die Erosion des Felsens (Kalk und Dolomit) gebildet. Das Klima, welches zusammen mit einer starken Aufnahme von Sauerstoff im Wasser Schaum bildet. Dieser Schaum, von Algen und Bakterien unterstützt, bildet Kalziumkarbonat, welches das Wasser übersättigt, und diese Ablagerung führt zu wachsender Verkrustung. Es bildet sich Travertin-Stein, welcher die Barrieren zwischen den einzelnen Seen bildet.
Ich denke die Bilder spechen für sich !

Plitvicer Seen


2. Biokovo-Massiv, Crajina Höhle

Nachdem ich endlich nach den gescheiterten E-Mail-Kontakt, persönlich Kontakt mit Zeljko aufnahm, stand meiner ersten Höhlentour nichts mehr im Wege. Ich erzählte Zeljko über unseren Verein und davon, daß ich nicht gerade erfahren bin, was vertikale Schächte angeht. Zeljko stellte mir nun seinen Verein vor: den oben schon erwähnten SAKE.
Das Biokovo Massiv liegt auf ca. 1.000 Meter Höhe, was nicht viel ist, aber das Dorf ist eben direkt am Meer also 1.000 Höhenmeter !!!.
So fragte mich Zeljko, ob ich Lust hätte eine kleine Höhle zu befahren, welche im Prinzip nur aus zwei großen Sälen besteht. Ich willigte ein und fragte nach Details, dies gestaltete sich aber als Problem, weil ich kein Kroatisch kann und Zeljko nur sehr gebrochen deutsch und englisch spricht. Zeljko sagte, daß wir zu dem Nachbardorf fahren und von dort aus ca. 45 Minuten zu Fuß zur Höhle gehen werden. Treffpunkt war morgens um 7.00.
Ich willigte ein und fragte, ob diese Höhle auch für Anfänger geeignet sei, welches Zeljko bejahte, denn ich wollte meine Freundin und ihren Onkel mitnehmen.

Am nächsten Morgen gab es ein Problem, so daß nur meine Freundin und ich den Weg antraten. Wir fuhren zum Nachbardorf auf ca. 150 m Höhe. Dort stellen wir den Wagen ab und los ging es. Aber wie.
Nach ca. 5 Minuten war uns klar, das wir es hier mit einem Messner zu tun hatten. Dieser war letztes Jahr auf einer Expedition in Alaska, joggt im Gebirge, macht Paragliding, Klettern usw...
Meine Freundin bekam sehr schnell Probleme weil Zeljko einfach zu schnell ging. So machte sie nach ca. 1 Stunde schlapp, kurz vor der Höhle. Wir hatten aber in dieser Zeit schon einen Gewaltmarsch durchs Geröll hinter uns.
Wir waren auf knapp 800 Meter angelangt und das mit Ausrüstung, am ersten Tag im Gebirge. Dort beschlossen wir uns zu trennen, meine Freundin sollte warten, denn der Abstieg alleine, ohne einen Weg, wäre zu gefährlich geworden.
Nun trennten Zeljko und mich nur noch ca. 150 Höhenmeter und ein paar Drahtseile zum festhalten.
Nach ca. 20 Minuten erreichten wir den Eingang der Höhle. Wir zogen kurz den Schlaz über, legten das Seilzeug an und gingen in eine kleine Kammer. Dort hingen wir eine Drahtseilleiter ein, sicherten uns mit einem Seil und kletterten so ca. 8 Meter in die Tiefe, wo wir in eine kleine Vorkammer gelangten.
Nun gingen wir gebückt unter einem Vorsprung her und gelangten in die besagte Kammer.
Aber diese Kammer war so ziemlich das größte, was ich bisher in meinem Leben gesehen habe, bzw. sie ist die größte Halle !!

Zeljko sagte, ich solle warten, und er verschwand zu der anderen Seite, erst dann konnte ich die Dimensionen dieser Halle nachvollziehen. Diese Halle ist 40 Meter Hoch, 60 Meter breit und 120 Meter lang !!!!!!!!!!
Erschlagen von dieser fast "Sauerländischen Dimension" ging ich tief in mich und brauchte eine ganze Weile um dies zu verarbeiten.
Er zeigte mir noch eine kleinere Nebenkammer, welche ebenfalls riesig war, wo aber auch Tropfsteine vorhanden waren. Leider hatte ich keine Kamera dabei aber auch wenn, so viele Blitze gibt es nicht, um die Halle zu fotografieren. Diese Halle hat auch noch einen kleinen 10 Meter Absatz in die Tiefe, von wo es nochmals ca. über einen 100 Meter Direktschacht in die Tiefe geht. Aber 100 Meter direkt, ohne mich !!

So machten wir uns nach ca. 20 Minuten wieder auf den Rückweg, weil ja meine Freundin draußen wartete. Auf dem weg nach oben haben wir noch ein paar Fledermäuse gesehen, die sich aber nicht aufschrecken ließen.
Nach weiteren 20. Minuten gelangten wir, nachdem Zeljko mir noch zwei andere Höhleneingänge gezeigt hatte, zu meiner Freundin und machten uns auf den Abstieg.
Nach ca. 1,5 Stunden gelangten wir zum Auto und setzten Zeljko bei sich Zuhause ab. Noch voll in Gedanken an diese tolle "Kammer" fuhr ich mit meiner Freundin zurück zum Appartement.


3. Biokovo-Massiv, Ersterforschung einer neuen Höhle


Nachdem ich mich mit Zeljko an den nächsten Tagen ein paar mal getroffen hatte und wir uns über Höhlen, Urlaubstrips usw. ausgelassen hatten, bot mir Zeljko eine neue Befahrung an.
Ein Freund von ihm hatte aus dem Flugzeug auf dem Weg nach Dubrovnik eine Höhle entdeckt, die wir in zwei Tagen erkunden wollten.
Treffpunkt wie immer um 7.00 Uhr, und dann ging es zu viert (Zeljko ,Yaksir, Christian und ich) mit dem Allradjeep ins Biokovo Massiv. Ziel war der höchste Berg dort, der Svetje Juraj 1.762 Meter hoch, und das vom Meer aus, also 1.700 Höhenmeter!!

Für den Weg habe ich ein paar Tage vorher 2 Stunden gebraucht, aber mit diesem Jeep, einem wahnsinnigen Fahrer (Kurve, abbremsen warum ?) brauchten wir nur 1Stunde.
Oben angekommen, sattelten wir unsere Rucksäcke und los ging es. Einen typischen Zeljko Spaziergang eben, aber diesmal hatte ich mich an die Berge gewöhnt, so war der " Weg" kein Problem.
"Weg"- weil es natürlich keinen gab, und wir also frei nach Schnauze und Kompass diese besagte Höhle suchen. Nach etlichen Bergkuppen war es soweit, wir gelangten zu einem riesigen Loch.
So befestigten wir ein Seil und runter ging es. Der riesige Trichter zog sich ca. 40 Meter nach unten, dort war aber Ende. Aber am Anfang war ein Absatz, an dem eine große Röhre runterging.
Zeljko sicherte sich und ging hinab. Yaksir folgte, und auch Christian ging ein paar Meter runter. Nach 1 Stunde kehrten sie zurück.
Ich ging ebenfalls ein paar Meter herunter, seilte mich aber nicht ab, weil es 1. ein 40-Meterschacht war, welcher mir sehr große Probleme bereitet hätte, und 2. sie das Seil nicht gut sichern konnten und sie mir das nicht zumuten wollten und 3. das Seil immer wieder Steine anstieß, welche in den Schacht donnerten.

Zeljko ging also alleine herunter. Dort machte er bei jedem Absatz einen Knoten ins Seil, so soll später der Plan entstehen. Als Zeljko wieder oben war, wurde das Material eingeräumt und die Höhle markiert, d.h. das Kürzel SAKE an die Wand, eine Nummer und das Datum der Entdeckung an den Eingang gemalt.
Verschlossen werden können diese Höhlen wegen des alpinen Charakters natürlich nicht! (Ob sich da ein Sauerländer Schlüssel-Fetischist wohlfühlen würde...)
Insgesamt hatte diese Höhle also eine Tiefe von ca. 200 Meter, weil wir ja schon bei minus 40 eingestiegen sind. Das Schwierigste hatten wir aber noch vor uns, den Rückweg!

Immer wieder das Ziel (den höchsten Berg) vor Augen, mußten wir doch immer wieder umdrehen, weil plötzlich ein zu steiler Abhang vor uns lag. Am Ende ließen auch die Kräfte von Yaksir und Christian nach, so daß diese für den letzten Aufstieg zum Gipfel fast 40 Minuten brauchten, während Zeljko und ich relativ locker diese Hürde nahmen.
Oben angelangt, fuhren wir auf 1.000 Meter zurück und machten auf einer Alm Rast. Danach fuhren wir nach Makarska zurück. Von dort aus fuhr ich zu meinem Apartment und sprang noch kurz in die warme Adria zum Abkühlen.
Toller Kontrast: Eben noch im Steinmassiv auf über 1.700 Meter und jetzt in der Adria, das ist eben der Reiz dieser Karstgegend!


4. Die beiden Seen in Ilmotski

Drei Tage später beschlossen meine Freundin und ich, zu den berühmten Ilmotski Seen zu fahren, wobei der Rote See eine steile Karstdoline ist mit über 200 Meter Tiefe, die als Höhle gilt! (Ilmotski liegt direkt vor der bosnischen Grenze nördlich vom Biokovo Massiv)
Die Höhle steht offiziell an Nummer 11 der tiefsten Höhlen in Kroatien. Sie heißt :Crveno jezero Imotska krajina, und ist 528 Meter tief. Man sieht einen riesigen Trichter, und der See unten, der keinen großen Durchmesser hat (vielleicht 40 Meter), ist über 250 Meter tief!

Roter SeeRoter See

Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Der blaue See nebenan ist ebenfalls beeindruckend, ein riesengroßer Trichter, aber nicht so tief, und man kann dort runtergehen und baden, was bei dem roten See nicht möglich ist, weil die Wände viel zu steil sind.

Blauer SeeBlauer See

Also nur ein Phototrip und ab nach Hause, Zeljko erzählte mir, daß ein deutsches Team diese Höhle mal untersuchen wollte- erfolglos, auf der Karte sind überall Fragezeichen!

Landkarte MakarIlmotski



5. Eine Schauhöhle auf dem Weg nach Bosnien


Auf dem Rückweg nach Bosnien, machten wir noch an einer Schauhöhle halt. Diese ist ca. auf 2.000 Meter zu begehen und danach kann man, wenn man will, mit Höhlenforschern nochmal dieselbe Strecke zurücklegen.
Wir hatten aber keine Zeit und erkundeten so nur den beleuchteten Teil, welcher aber sehr beeindruckend war. Dort findet man Säle mit über 30 Meter Höhe, welche mir aber nach den Biokovo Erfahrungen doch irgendwie klein vorkamen.

Höhlenplan


6. Resümee


Wer also Alpine Höhlen sehen will direkt am Meer, ist in Makarksa bestens aufgehoben und sollte Zeljko kontaktieren und einen schönen Gruß von mir bestellen!
Nur schachterfahren sollte man sein und körperlich so fit, so daß man eine Bergtour vor der Höhle auch locker wegstecken kann.